Auf der Suche nach Armut, Krieg und Zerstörung

Ausgestreckte Haende und die Bitte um etwas Geld, einen Fussball oder Stift begleiteten meine Radreise von Uganda nach Ruanda. Es sind neben der Frage, wie es einem geht, die einzigen englischen Woerter, die die Kinder auf dem Land sprechen. Der Kontakt zur Bevoelkerung war sehr eng, weil ich immer wieder nach dem Weg fragen musste und in kleinen Doerfern eine Pause einlegte.

Auf der anderen Seite warern die Menschen immer sehr gastfreundlich und um mein Wohlergehen bemueht.

Laut eines Rangers ist das Geben von Geld und Wertgegenstaenden an die Strassenkinder in Ruanda verboten. Die Eltern sollen ihre Kinder in die Schule und nicht zum Betteln auf die Strasse schicken. Fuer Spenden gibt es in den groesseren Staedten extra eingerichtete Sammelstellen, die sich um eine gerechte Verteilung kuemmern. Mir sind bei einem Ausflug vor allem amerikanische Frauen negativ aufgefallen, weil sie trotz des Wissen um das Verbot, den Kindern etwas gaben und sich gegenseitig mit den Kindern fotografierten. Wer weiss, welche Eindruecke bei den Kindern zurueck bleiben. Ich verstehe waehrenddessen die Politik nicht. In Ruanda waren die Hilfsleistungen nach dem Genozid 1994 so gross, dass die Infrastruktur sehr gut ausgebaut ist, aber ausreichen tut das noch lange nicht. Ueber 65 Jahre alt sind gerade einmal 2,4%, waehrend 42% zwischen 0 und 14 Jahre alt sind (Quelle: http://www.indexmundi.com). Wo ist ein funktionierendes Gesundheitssystem? Als kranker oder alter Mensch hat man keine guten Aussichten. Wohin geht z.B. das ganze Geld aus den Gorillatrekkings? 20% soll die lokale Bevoelkerung bekommen und einen weiteren Teil bekommen die Spurensucher, Ranger etc. Das uebrige Geld, es duerfte nicht weniger als 250 Dollar pro Besucher sein, scheint irgendwo zu versickern. Zmindest konnte mir hier keiner eine Antwort darauf geben.

Unter den Kriegen hat die ganze Bevoelkerung gelitten. Fast ganz ausgloescht wurden die letzten Pygmaeen in Uganda und Ruanda. Die Volksgruppe der Batwa wurde lange Zeit nicht anerkannt und hatte keine Fuersprecher. Aus den entstandenen Nationalparks und damit ihrem Lebensraum, dem Regenwald, verbannt, lebten sie lange Zeit ohne Habe und jeglisches Recht zwischen den anderen Bev;lkerungsgruppen, die die Batwa nicht als Menschen ansahen. Mittelerweile gibt es Entwicklungsprogramme, die darauf hinauslaufen, dass man die Menschen zur sesshaftig- und wirtschaftlichkeit erziehen moechte. Geschenktes Land an die Batwa wurde von diesen jedoch sofort wieder verkauft, der Anbau von Lebensmittel haeufig verweigert. Statt dessen ziehen einzelne Gruppen weiterhin an den Nationalparkgrenzen umher und fuehren Tauschgeschaefte durch, bieten sich las Traeger an oder fuehren Touristen traditionelle Taenze vor. Lichtblick ist vielleicht die Vermischung mit anderen Bevoelkerungsgruppen, wodurch immer mehr Gruppen sesshaft werden und durchaus erfolgreich wirtschaften koennen.

Eine von mir besuchte Batwagruppe zieht weiterhin am Nationalpark umher und wusste an diesem Abend nicht, was der naechste Tag bringen wuerde. Ihre Zukunft scheint mir sehr ungewiss …

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