Geisterdorf

Nun, in den letzten Tagen hatte ich ein kleines Dorf am Rande eines Nationalparks besucht und dort auch eine Nacht verbracht. Bereits der Hinweg war abenteuerlich, weil die kleinen Strassen kaum passierbar waren.

Auf dem beschwerlichen Weg zum Dorf ...

Mehrmals haette es uns beinahe umgehauen, aber mein Fahrer konnte jedes Mal noch rechtzeitig die Maschine halten.
Mein Fahrer kannte jemanden in dem  Dorf, in dem etwa 30 Familien leben, und fragte ihn, ob ich bei ihnen uebernachten koennte. Als Schlafstelle wurde mir unter den Wohnraeumen eine Haengematte angeboten. Der erste Eindruck vom Dorf der Khmer Leou (Sammelbezeichnung der vercshiedenen Bergvoelker) war gespenstisch, denn es waren keine Leute zu sehen und auch mein Gastvater verliess das Dorf in Richtung Stadt. Als Begruendung hiess es nur, dass die Menschen alle auf den Feldern arbeiten oder zum Markt gelaufen sind, um ihre Waren zu verkaufen. Ok, so stand ich dann alleine unterm Haus und richtete mich ersteimal etwas ein.

Meine Unterkunft; im Hintergrund die Haengematte, auf der ich schlief.

Nachmittags erkundete ich dann das Dorf und schlich umher. Und siehe da, vor alem alte und Kinder bevoelkerten zu dieser Zeit die Hauser. Bei Reiswein liessen es sich einige Bewohner gut gehen und forderten mich prompt auf ihn auch zu probieren, bis ich dankend ablehnen musste, weil er mir sonst zu Kopf gestiegen waere. Verstaendigen konnten wir uns natuerlich nur mit Haenden und Fuessen, aber die Leute waren, wahrscheinlich auch aufgrund des Weines, gut drauf.
Fotografieren konnte ich eigentlich nur die Maenner, denen es nichts asmachte. Die Frauen wollten nicht fotografiert werden, obwohl gerade sie sehr interessant aussahen und grosse Loecher in ihren Ohren hatten, um dort kleine Plaettchen einzusetzen. Die Kinder gar flohen meistens vor mir.

Jeder wolte, dass ich aus seinem Pott Reiswein trinke ...

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Erst zwischen 17 und 18 Uhr kmen die ersten Leute vom Feld. Eine alte sehr faltige Frau kam mit einem schlurfenden Schritt, sichtlich erschoepft auf mich zu und nahm keine Kenntnis von mir. Worlos legte sie ihre Sachen beiseite und machte Feuer. Zwei Stunden spaeter war es dunkel und das Haus war voller Leben. Geschaetzte 25 Kinder und 10 bis 15 Erwachsene schlafen in dem Haus. Zuerst assen die Kinder, dann die Erwachsenen, wobei ich mit dem Gastvater zusammen essen durfte.

Haeuser der Khmer Leou.

Bereits waehrend des Essens wurde der Generator angeschmissen und eine Gluehbirne erleuchtete. Spaeter wurde zusammen Fernsehen geschaut. Mein Fahrer erzaehlte mir, dass Hilfsorganisationen Generatoren und Fernseher verteilt hatten. Man stellte fest, dass die Leute gerne Fernsehen und man sie so besser ueber Demokratie und Hygiene aufklaeren kann. Der Nebeneffekt ist natuerlich, dass abends ein Kungfu Film geschaut wurde. Gegen 21.30Uhr gingen dann die letzten Schlafen und der Generator schwieg wieder.

Hygienetafel von einer Hilfsorganisation an der Wand des Versammlungshauses.

Mir wurden zwei Jugendliche zur Bewachung beiseite gestellt, die ebenfalls in einer Haengematte neben mir schliefen. Die uebergrosse Fuersorge war natuerlich sehr nett, aber auch vollkommen ueberfluessig.
Die Nacht wurde nur dadurch gestoert, dass staendig irgendwelche Tiere Geraeusche machten. Die Schweine unter mir schmatzten, wie schon tagsueber, Hunde jaulten den Vollmond an und die Haehne fingen ab 4 Uhr frueh zu kraehen an. Das Leben in so einem Dorf ist ueberaus mittelalterlich. Und doch hat der Kontakt zur Zivilisation und den Hilfsorganisationen zu grossen Veraenderungen gefuehrt. Eigentlich lebten sie halbnomadisch. Die Regierung wollte aber, dass sie nicht mehr umherwandern und feste Huetten bauten. Daher unterscheiden sich ihre Haeuser nicht wirklich von denen anderer Menschen ausserhalb der Staedte.
Zum Abschluss habe ich frueh morgens, nachdem die meisten wieder das Dorf verlassen hatten, das Schlachten eines Schweines mitbekommen. Gerne haette ich darauf verzichtet, denn ohne Schusswaffe oder Bolzen ist das Toeten eines grossen Schweines keine einfache Sache und kann sich etwas hinziehen …

Buschdusche

Nach dem Besuch in Banlung habe ich mich in Richtung Laos aufgemacht und das Land zunaechst nicht sonderlich toll gefunden. Die ersten TukTuk-Fahrer waren ziemlich unfreundlich und sprachen mal wieder kein Wort Englisch. Mittelerweile hat sich das hier aber ein bisschen gelegt.

Schlafbus, den ich mal haette nehmen sollen, denn der lokale bracuhte fuer ca. 380km fast 12 Stunden ... eine endlose Odyssee.

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Freundliche Nudelsuppenverkaeuferin vor ihrem Restaurante.

Auf der letzten Tour im Bus traf ich einen netten Australier, der in China fuer eine UNI arbeitet und nun in den Semesterferien durch Asien reist. Er erklaerte mir unteranderem, dass man sich hier einfach ein Moped ohne Fuehrerschein  ausleihen kann. In Thailand wurde er sogar angehalten und zahlte etwas Schmiergeld, fuer das er dann sogar eine 9tages Lizenz zum Fahren bekam, echt verrueckt! Naja, da es hier in ca. 17km Entfernung schoene Hoehlen gibt, probierte ich es doch gleich einmal aus und siehe da, der Verleih kostet pro Tag 10 Dollar inkl. einer Einfuehrung in die Benutzung des Mopeds (die wirklich total einfach ist). Die Strecke war auch hier abseits der hauptstrasse recht schwer passierbar und ich konnte nur eine Hoehle von ca. 5 Hoehlen besuchen. Ein Foto von mir auf dem Moped habe ich irgendwie versaeumt zu machen. Bei naechster Gelegenheit werde ich mir aber wohl wieder eines ausleiehn. Es ist gegenueber dem Fahrrad eine tolle Fortbewegungsmoeglichkeit.

Weg zur Hoehle.

Die Hoehle war wirklich toll, von Innen beleuchtet und teilweise mit Stufen versehen, so dass man sie ohne Probleme alleine besichtigen kann.

Hoehleneingang, Ansicht von Innen.

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Auf der anderen Seite eine weitere Hoehle, die fuer mich nicht erreichbar war.

Morgen geht es weiter zur Hauptstadt von Laos, mit dem Localbus, der wahrscheinlich wieder Stunden brauchen wird … bis dahin alles Gute
Florian

Sonnenaufgang in Banlung.

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