Jagd auf Joseph Kony

Uganda hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft. Die NGO „Invisible Children“ stellte einen Clip ins Internet, der sich rasend schnell verbreitet. Inhaltlich geht es um die Begleitung eines ugandischen Jungen, der von der Rebellengruppe LRA, die im Norden Ugandas operierte, geflohen ist. Der Film ruft dazu auf den Rebellenführer Joseph Kony bis zum Ende des Jahres 2012 zu fassen. Gelingen soll dies u. a. durch die Verbreitung seines Gesichts und dem Aufruf zu Spenden.  Hier das Video:

So weit so gut. Die Einseitigkeit des Videos wird schnell deutlich und so wächst auch die Kritik an den Erstellern. Zurecht, wie ich finde!

2009 bin ich mit dem Rad und später mit Bus und Auto selber in die ehemalige Rebellenregion gefahren. In meinen Bericht schrieb ich: „Im Norden Ugandas bewegte ich mich mit Auto und Bus fort. In der für ihre Flüchtlinge bekannte Stadt Gulu verbrachte ich eine Nacht. Meine Gesprächspartner erzählten, dass sich nur noch wenige Kinderflüchtlinge in der Stadt befänden. Es gibt aber immer noch von Hilfswerken eingerichtete Zentren für ehemalige Kindersoldaten, die für die Rebellen um Joseph Kony kämpften. Touristen trifft man in diesen Gegenden nicht, auch wenn sich die Rebellen der LRA seit längerem in den Kongo und Sudan zurückgezogen haben. Die Infrastruktur ist in einem guten Zustand, die Gegend ist jedoch sehr arm und die Menschen an den Straßen und kleinen Dörfern fragten mich, was ich dort wollte.

Die Zerschlagung der Rebellengruppe kann objektiv als gelungen angesehen werden. Ugandas Präsident Museveni wird nicht müde dies immer wieder zu betonen. Der Norden Ugandas hat sich weitestgehend von den schlimmen Tagen erholt, so dass der Film in diesen Punkten die Situation falsch wiedergibt. Anders sieht es sicherlich im Kongo aus. Die politische Struktur ist aber mit der Ugandas in keinster Weise zu vergleichen.

Im Laufe der nächsten Monate wird sich herausstellen, ob der Film weißer Amerikaner zur Ergreifung eines afrikanischen Rebellenführers führen wird; ungefragt, wie die Ugander das Eingreifen finden. Gewiss ist jedoch, dass während dessen all die anderen Splittergruppen im Grenzgebiet weiterhin unbehelligt rauben und schlachten …

Unterwegs in Norduganda

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