Fahrradnavigation mit einem Tablet – die Software

Nach der gefundenen Hardware verbrachte ich viel Zeit mit der Suche nach einer geeigneten Software und dem Testen eben dieser. Gefunden und empfehlenswert finde ich Openstreetmap. Es gibt noch viele weitere Programme, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und einfach ausprobiert werden sollten. Mir war es besonders wichtig, dass ich ohne Internetverbindung die Karten zur Verfügung habe, d. h. die Karten müssen zuvor auf das Tablet oder eine Speicherkarte geladen werden, und ich mich routen lassen kann, d. h. ich gebe eine Adresse oder Koordinate an und die Software führt mich dorthin. Openstreetmap unterstützt diese Funktionen für das Fahrrad, Auto und für Fußgänger.
Zur Planung von eigenen Touren benutze ich vor allem die Internetseite gpsies und Komoot.
Im Folgenden werde ich etwas ausführlicher über die von mir verwendeten Programme und Seiten schreiben. Meine Aussagen beziehen sich auf die Versionen unter Android, mit dem mein Tablet läuft.

Alle Informationen wurden von mir nach besten Wissen und Gewissen zusammengetragen.
Dennoch übernehme ich keine Haftung / Verantwortung für die genannten Geräte, Programme, Internetseiten etc.

Openstreetmap Android Plus (App: OSM And+)
Das Openstreetmap-Projekt ist eines der spannensten im Rahmen von Karten und Navigation. Durch die Hilfe von tausenden Benutzern, die Daten (also Straßen, Wege, Sehenswürdigkeiten etc.) in das Projekt einfließen ließen und lassen, ist es kostenlos, sehr genau und vor allem aktuell. Die dazugehörige App gibt es kostenlos und aufgewertet (erkennbar am Pluszeichen im Namen) für ca. 6€ (Stand 7.2013) mit sinvollen erweiterten Funktionen und Möglichkeiten. Für mich ist es bis jetzt das beste Programm fürs Routing.
Nach mehreren Testwochen kann ich sagen, dass mich OSM bisher nie im Stich gelassen hat. Das Nachfahren von Routen machte großen Spaß. Ich habe mir Routen aus dem Internet heruntergeladen, im Ordner „Tracks“ abgelegt und wählte anschließend unter „Navigation“ den Punkt „GPX-Route wählen“ aus. Verließ ich die Route mal, so wurde ich darauf zurück geführt. Fuhr ich selbstständig einen Umweg und kam auf die Route zurück, so führte mich OSM einfach weiter, ohne zu meckern. Von mir ausprobierte Navigationsgeräte waren nicht so genügsam und wollten häufig, dass ich genau die Route nachfahre. Wich ich davon ab, routeten sie mich zum letzten Punkt zurück.
Unterwegs ist es mir passiert, dass ich eine Tour abbrechen musste und mich vom gegenwärtigen Standort nach Hause führen lassen wollte. Auch hierbei ist OSM sehr komfortabel. Die Software erstellt nach der Zieleingabe eine passende Route. Sollte mir diese nicht gefallen, kann ich Wegpunkte setzen und so die berechnete Route anpassen. Auf diese Weise habe ich ganz neue Strecken auf dem Nachhauseweg entdeckt.

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Tabletbildschirm mit der Karte von OSM. Obere Zeile: Kompass, Schloss (um den Bildschirm zu sperren, damit man nicht aus Versehen Knöpfe drückt), Straßenname, Einstellungen und „wo bin ich“. Darunter: Entfernung zum Ziel, Satelliten und Höhenmeter. Weitere Parameter sind zu- und abschaltbar.

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Untere Zeile: Einstellung von Fußgänger, Fahrrad oder Auto, darunter geht es ins Menü und rechts kann in die Karte gezoomt werden.

Als sehr positiv haben sich die, auch in anderen Programmen zuschaltbaren, POIs (= points of interest; interessante Orte) erwiesen. Nach einem einmaligen Download sind sie auch unterwegs ohne Internetverbindung verfügbar. Orangene Punkte verraten bei Berührung worum es sich handelt. Damit nicht die ganze Karte orange erscheint, sollte man nur Dinge aktivieren, die einen interessieren. Ich habe zum Beispiel auf diese Weise einen Höhleneingang ganz in meiner Nähe entdeckt.

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Die orangenen Punkte sind die zuschaltbaren POIs (= points of interests; interessante Orte).

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Überblick des Ruhrtalradwegs von Winterberg nach Duisburg.

Welche negativen Punkte kann ich nennen? Mir sind bisher nur kleinere aufgefallen! Bei der Nutzung des Tablets während der Navigation (z. B. Benutzung der Fotoapp) kam es schon mal vor, dass die Karte von OSM nicht mehr in die Fahrtrichtung mitdrehte. Sie blieb bis zum erreichen des Ziels fest ausgerichtet, was keinen weiteren negativen Einfluss auf die Navigation hatte. Im Auto sind Ansagen manchmal etwas verwirrend. So höte ich öfters die Ansage „bitte halbrechts fahren“. Was sollte nun halbrechts sein?
Darüber hinaus kam schon mal die Ansage „in 50m bitte wenden“. In 50m kam jedoch nur eine scharfe Kehre und der Weg führte weiter.
So kam es in der Vergangenheit immer wieder mal vor, dass ich nicht wusste, was OSM von mir wollte. Ein Blick auf die Karte, bei denen ich bisher noch keinen Fehler gefunden habe, half jedes Mal.
Sollten sich noch weitere negative Punkte herausstellen, dann werde ich sie an dieser Stelle ergänzen.

Routenerstellung
Ich möchte nicht immer nur Routen von andern Internetnutzern nachfahren, sondern eigene erstellen. Dazu benutze ich vor allem zwei Programme. Einerseits ist dies die Internetseite gpsies, auf der viele Routen zu finden sind, aber auch selbst welche erstellt werden können. Nach der Fertigstellung wird die Route als gpx-Datei gespeichert und auf das Tablet übertragen. Es benötigt immer etwas Zeit alle Punkte zu setzen und einen schönen Weg zu finden, aber meistens habe ich mich über die neuen Routen sehr gefreut. Auf der Karte, ebenfalls eine OSM-Karte, entdeckte ich oft neue kleine Wege, die mir zuvor nie aufgefallen waren.
Soll es mal schnell gehen, benutze ich die Seite von Komoot. Das kleine Unternehmen hat sich auf das Routing für Fahrradfahrer und Wanderer spezialisiert. Eine Besonderheit ist die automatische Routingfunktion, bei der auch kleine Wege je nach Einstellung einbezogen werden. Am PC kann man die bereits guten Vorschläge nach eigenen Wünschen abändern. Der Import von GPX-Dateien funktioniert ebenfalls problemlos.
Beide Internetseiten sind kostenlos zu nutzen. Komoot bietet darüber hinaus noch eine Navigationssoftware an, bei der jedoch das komplette Kartenpaket ca. 30€ (Stand 7.2013) kostet. Für Vielfahrer, die häufig routen, eventuell eine Alternative zu Openstreetmap.

Fahrradnavigation mit einem Tablet – die Hardware
Fahrradnavigationmit einem Tablet – die Software
Fahrradnavigation mit einem Tablet – mein Fazit

Gute Fahrt,
Florian

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Fahrradnavigation mit einem Tablet – die Hardware *Updated 01/14*

In den letzten Jahren, in denen ich unterschiedlichste Reiseradtouren unternommen habe, fragte ich mich immer wieder, ob ein Fahrradnavigationsgerät eine lohnende Anschaffung wäre. Bei genauerer Betrachtung stellte ich schnell fest, dass mich vor allem Geräte von Garmin ansprachen. Sie versprechen eine robuste und wasserdichte Hardware, einen großen Funktionsumfang und nicht zuletzt eine intelligente, also „fahrradfreundliche“, Navigation, womit ich z. B. die Vermeidung von Hauptstraßen beim Routing verstehe.

Im Laufe der Zeit lieh ich mir passende Geräte und probierte sie aus. Letztlich hielten mich einige Dinge vom Kauf ab. Meine drei Hauptpunkte gegen ein reines Fahrradnavigationsgerät sind …
– der zu hohe Preis, dafür, dass ich das Gerät nur fürs Fahrradfahren benutze,
– die schlechte Bedienung; auf der einen Seite der Menüs, die ich häufig sehr unübersichtlich fand, und auf der anderen Seite des Displays, das je nach Gerät in Sachen Bedienung und Auflösung weit hinter älteren Handys liegt, und
– die teuren Karten, die häufig hinzugekauft werden müssen.

Während ich mit meinen Fahrradkarten Strecken nachfuhr und unterwegs damit hantierte, radelten Fahrer an mir vorbei, die ihr Handy als Navigationsgerät nutzten. Ein berührungsempfindliches Handy kam für mich aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage, aber ein Tablet besaß ich bereits. So kam ich auf die Idee dieses als Navigationsgerät zu benutzen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes großer Vorteil schien mir das große Display zum Ablesen der Strecke zu sein. Alle folgenden Angaben sind wohl auch für Handys gültig, die mit Android laufen.
Zu betonen ist noch, dass ich ein Navigationsgerät für mein Trekking- bzw. Reiserad suchte und nicht fürs Rennrad oder Mountainbike.

Alle Informationen wurden von mir nach besten Wissen und Gewissen zusammengetragen.
Dennoch übernehme ich keine Haftung / Verantwortung für die genannten Geräte, Programme, Eigenkonstruktionen etc.

Als Tablet benutze ich das „Sony Xperia Tablet Z„, das über einen GPS-Empfänger verfügt, 10 Zoll groß, bedingt wasserfest und staubgeschützt (laut Hersteller nach IP55/IP57), dünn und leicht ist. Im Alltag benutze ich es vor allem für e-Mails und zum Lesen. Mit seinen Abmessungen passt es quer so gerade eben in die Lenkerhülle von Ortlieb. Allerdings ist die Hülle dann nicht mehr mit dem Klettband zu verschießen. Längs passt es locker hinein, allerdings ist dann nach oben und zur Seite etwas Platz. Ein kleineres Tablet könnte wohl ohne Probleme quer in die Lenkertasche und diese wäre dann auch wieder zu verschließen.
Die größte Gefahr für das Tablet ist das Heraus- bzw. Herunterfallen. Bei meiner bisher „besten“ und praktikabelsten Lösung liegt das Tablet quer in der Schutzhülle und diese wird mit Haushaltsgummis an den vorhandenen Laschen fixiert. Bei Unebenheiten ist die Schutzhülle flexibel, hält das Tablet aber auch fest an der Tasche. Es könnten nun die Gummis reißen oder sich die Schutzhülle von der Tasche lösen. Bisher ist nichts dergleichen passiert und ich halte die Lösung zwar nicht für optimal, aber tauglich. Vielleicht gibt es oder hat jmd. eine bessere Idee. Keine Lösung für mich sind bisher sogenannte Universalhalterungen, die es auch für das Fahrrad gibt. Die von mir gesehenen machten keinen wertigen Eindruck und das Tablet erschien mir sehr ungeschützt (halten die Klammern bei Rucklern?).

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Meine unprofessionelle, aber bisher tauglichste, Konstruktion zur Sicherung des Tablets.


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In der Praxis, ich verwende das Tablet seit Juni 2013, schlug sich mein Tablet gut. Das Display ist groß, die Navigationsansagen sind sehr verständlich und Ruckler und dergleichen haben bisher keinen negativen Einfluss gehabt. Aber: Das Display und die Schutzhülle von Ortlieb spiegeln leider ungemein. Ein anderer Sichtwinkel ist nicht ohne weiteres einzustellen, so dass nur eine entspiegelte Displayfolie Abhilfe schaffen könnte.
Update: Nun habe ich eine entspiegelte Displayschutzfolie ausprobiert und bin davon sehr enttäuscht. Für den Alltagsgebrauch im Freien ist so eine Folie gut, für die Lesbarkeit während einer Fahrradtour hat sie bei mir keine Verbesserung gebracht. Damit bleibt die Hoffnung, dass es in Zukunft mehr Tablets mit mattem und entspiegeltem Display gibt.
Die zweite große Schwachstelle ist der Akku. Dieser hält locker 5-6 Stunden. Muss nach einer Radtour aber wieder aufgeladen werden. Eine Möglichkeit die Akkulaufzeit zu verlängern ist das Ausschalten des Bildschirmes während der Navigation. Bei meinem Programm läuft die Navigation im Hintergrund weiter und auch die Ansagen werden gemacht. Auf diese Weise konnte ich auf übersichtlichen Strecken ohne Probleme fahren. An kritischen Punkten, z. B. in Städten, stellte ich mit einem Tastendruck das Display so lange an, bis der Verlauf wieder übersichtlicher war.

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Aufsicht: Schutzhülle und Tablet spiegeln bei Sonnenschein und das Display ist bei einem ungünstigen Winkel kaum oder gar nicht mehr zu lesen.

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Mit einer entspiegelten Displayschutzfolie wurde die Lesbarkeit der Strecke nicht besser. Und ja, das Tablet auf dem Foto ist an und zeigt eine Karte.

Update: Sicherung des Tablets
Die Gummikonstruktion war gut, aber irgendwann riss dann doch ein Band und ich suchte nach einer besseren Möglichkeit. Aufgefallen ist mir, dass an der Folie noch Platz für ein weiteres Klettband war. Selbstklebendes Klettband bekommt man z. B. im Baumarkt und ist super schnell angebracht. Nun fahre ich mit dieser „neuen“ Sicherungsmöglichkeit und bin damit sehr zufrieden.

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Unter dem schwarzen originalen Klettband ist noch genut Platz, um ein weiteres anzubringen.

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Das Gegenstück des Klettbandes passt genau auf den Boden der Taschenfolie.

Update: Navigation mit einem Handy
Seit wenigen Wochen habe ich die Möglichkeit mit einem Handy zu navigieren. Ich verwende ein htc desire S, das ebenfalls mit Android läuft, und verwende die „yayago X-Style“ Fahrradhalterung. Darin „sitzt“ das Handy sehr sicher und droht nicht herauszufallen. Andere von mir getestete Halterungen hielten nicht so gut oder passten aufgrund des größeren Lenkerdurchmessers nicht. Natürlich kann die Halterung auch am Reiserad angebracht werden.
Negativ fiel mir bisher jedoch auf, dass das Handy einen sehr schwachen Akku hat. Ich habe alle Funktionen, so fern möglich, deaktiviert und komme dennoch nur auf ca. 2,5 Stunden Navigation mit eingeschaltetem Bildschirm.

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Sicherer Halt mit der „yayago X-Style“ Fahrradhalterung.

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In dieser Position ist das Ablesen des Bildschirms auch bei Sonnenschein kein Problem. Die Fahrradhalterung hat ein Kugelgelenk, so dass das Handy sehr variabel verstellt werden kann.

Demnächst erscheint:
Fahrradnavigationmit einem Tablet – die Hardware
Fahrradnavigation mit einem Tablet – die Software
Fahrradnavigation mit einem Tablet – mein Fazit

So long
Florian

Beitrag zum Hohlspiegel

Bei der Durchsicht meiner Fotos begegnete mir vor zwei Wochen ein lustiges Bild vom 29. April diesen Jahres.  Zu sehen ist ein Parkschild für Angler und direkt darunter der Hinweis, dass das Angeln nicht erlaubt ist. Das Schild sah ich auf dem Altmühl-Radweg bei Riedenburg. Für solch verquerte Fotos fiel mir sofort die Rubrik Hohlspiegel in der Zeitschrift DER SPIEGEL ein. In der aktuellen Ausgabe Nr. 41/8.10.12 ist es nun zu finden.

Bis denn
Florian

Unterwegs auf dem Altmühl-Radweg

Blick auf Detwang.

Ich habe die schönen Tage im Süden Deutschlands zur Erkundung des Altmühltals genutzt. Auf dem Altmühl-Radweg ging es von Rothenburg ob der Tauber bis nach Kelheim, wo Bayerns zweitgrößter Fluss, die Altmühl, in die Donau fließt. Um mit dem Zug wieder nach Rothenburg o. d. Tauber zu fahren, fuhr ich 30km weiter bis nach Regensburg.

Meine Tour:
1. Tag: Rothenburg o. d. Tauber –> Gunzenhausen (85,6lm)
2. Tag: Gunzenhausen –> Prunn (153,1km)
3. Tag: Prunn –> Regensburg (53km)

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber

Hornauer Weiher, die offizielle Altmühlquelle.

Storchenturm in Herrieden.

Vor den Toren von Ornbau, das als Kulisse für „Der Räuber Hotzenplotz“ herhielt.

Altmühlsee bei Gunzenhausen.

Den ersten Tag führte der Altmühl-Radweg durch eine sehr schöne Kulturlandschaft. Saftig grüne Felder und blühende Wiesen bestimmten das Bild. Immer wieder lagen auf dem Weg Bauernhöfe und urige Dörfer, wie zum Beispiel die mittelalterliche Stadt Ornbau.

Burg in Pappenheim.

Unterwegs an einem Kletterfelsen.

Mein zweiter Tag begann trübe und es lockerte den Tag über nicht richtig auf. Dafür veränderte sich das Bild des Altmühltals. Anstatt der vielen Felder des Vortags, wurde das Tal schmaler und felsiger. Damit verbunden kam ich an vielen Burgen und Schlössern vorbei, wie der Burg in Pappenheim.

Blick auf Kelheim, wo die Altmühl, bereits zum Main-Donau-Kanal verschmolzen, in die Donau fließt.

Mein dritter Tag war sehr kurz, dafür aber wieder mit blauem Himmel. Gemütlich radelte ich bis zum Hauptbahnhof nach Regensburg, wo ich vor einigen Jahren bereits zum Limes-Radweg startete.

Der Radweg ist super ausgeschildert, hat keine nennenswerten Steigungen und führt einen größtenteils auf interessanten Feld- und Wirtschaftswegen. Bei dem tollen Wettter, wie ich es hatte, machte das Radfahren natürlich doppelten Spaß. Von mir bekommt der Radweg eine klare Empfehlung. Interessierte sollten nur bedenken, dass Unterkünfte in größeren Orten schon mal ausgebucht sein können, wie es mir in Riedburg geschah. Aufgrund der recht hohen Frequentierung anderer Radfahrer sollte man ggf. Unterkünfte vorher buchen.

Bis zur nächsten Radtour
Florian

Jagd auf Joseph Kony

Uganda hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft. Die NGO „Invisible Children“ stellte einen Clip ins Internet, der sich rasend schnell verbreitet. Inhaltlich geht es um die Begleitung eines ugandischen Jungen, der von der Rebellengruppe LRA, die im Norden Ugandas operierte, geflohen ist. Der Film ruft dazu auf den Rebellenführer Joseph Kony bis zum Ende des Jahres 2012 zu fassen. Gelingen soll dies u. a. durch die Verbreitung seines Gesichts und dem Aufruf zu Spenden.  Hier das Video:

So weit so gut. Die Einseitigkeit des Videos wird schnell deutlich und so wächst auch die Kritik an den Erstellern. Zurecht, wie ich finde!

2009 bin ich mit dem Rad und später mit Bus und Auto selber in die ehemalige Rebellenregion gefahren. In meinen Bericht schrieb ich: „Im Norden Ugandas bewegte ich mich mit Auto und Bus fort. In der für ihre Flüchtlinge bekannte Stadt Gulu verbrachte ich eine Nacht. Meine Gesprächspartner erzählten, dass sich nur noch wenige Kinderflüchtlinge in der Stadt befänden. Es gibt aber immer noch von Hilfswerken eingerichtete Zentren für ehemalige Kindersoldaten, die für die Rebellen um Joseph Kony kämpften. Touristen trifft man in diesen Gegenden nicht, auch wenn sich die Rebellen der LRA seit längerem in den Kongo und Sudan zurückgezogen haben. Die Infrastruktur ist in einem guten Zustand, die Gegend ist jedoch sehr arm und die Menschen an den Straßen und kleinen Dörfern fragten mich, was ich dort wollte.

Die Zerschlagung der Rebellengruppe kann objektiv als gelungen angesehen werden. Ugandas Präsident Museveni wird nicht müde dies immer wieder zu betonen. Der Norden Ugandas hat sich weitestgehend von den schlimmen Tagen erholt, so dass der Film in diesen Punkten die Situation falsch wiedergibt. Anders sieht es sicherlich im Kongo aus. Die politische Struktur ist aber mit der Ugandas in keinster Weise zu vergleichen.

Im Laufe der nächsten Monate wird sich herausstellen, ob der Film weißer Amerikaner zur Ergreifung eines afrikanischen Rebellenführers führen wird; ungefragt, wie die Ugander das Eingreifen finden. Gewiss ist jedoch, dass während dessen all die anderen Splittergruppen im Grenzgebiet weiterhin unbehelligt rauben und schlachten …

Unterwegs in Norduganda

Römerfest „Schwerter, Brot und Spiele“

Im Sommer 2009 besuchte ich mit Winfried in Xanten das Römerfest. Es war wohl das größte seiner Art in Europa. Auf dem gesamten Gelände des Archeologischen Parks quartierten sich für zwei Tage Römerfamilien Gladiatorengruppen und Künstler ein, um eine einmalige Atmosphäre zu schaffen. Schaukämpfe, authentische Speisen und das „gewöhnliche“ Leben eines Römers wurde genauso beeindruckend dargeboten wie Spiele und Mitmach-Aktionen für Kinder. Dabei gelang den Veranstaltern hervorragend der Spagat zwischen Spaß und Authentizität, denn mit Römerklamauk ala Asterix und Obelix hatte man es nicht zu tun.

Am Nachmittag des ersten Tages kam dann die Katastrophe. Der Himmel verfinsterte sich und eine halbe Stunde später gab es ein mächtiges Sommergewitter, als hätten die Götter etwas gegen das Treiben gehabt. Ein Blitzeinschlag, der dreizehn Menschen teilweise schwer verletzte, führte zum Abbruch der Spiele.

Nach drei Jahren Pause und der gerichtlichen Klärung über die Verantwortung und Mitschuld der Vernanstalter an dem Unglück findet in diesem Jahr (23. und 24. Juni 2012) wieder das Römerfest statt. Ich kann diese einmalige Veranstaltung jedem Geschichtsinteressierten empfehlen und freue mich sehr auf das diesjährige Spektakel.

Weitere Informationen auf der offiziellen Homepage.

Einige Eindrücke von 2009 …

So long
Florian